Mantra

*Dies ist lediglich eine Quellensammlung welche zur Unterstützung deines eigenen Studiums dienen soll. Sie hat weder Anspruch auf Vollständigkeit noch darauf der Weisheits letzter Schluss zu sein.

Soham

So’ham (skt. सोऽहम् so’ham »er ist ich«) ist ein hinduistisches Mantra, das in mehreren Upanishaden erwähnt wird. Es spielt auch im Yoga und im Tantra eine Rolle. So’ham besteht aus den beiden Sanskritpronomen सः saḥ »er« und अहम् aham »ich«, das im Sandhi die Form so’ham annimmt. Die Bedeutung ist »Er ist ich« bzw. »Ich bin Er« und symbolisiert dadurch die Einheit der Individualseele (jiva) mit dem Absoluten.

Deutung

Die mystische Deutung sagt, dass jedes Lebewesen dieses Ajapa-Mantra unwillkürlich durch das Atmen rezitiert, dabei steht sa für das Einatmen und ham für das Ausatmen.[1] In umgekehrter Wortfolge ergibt sich das Sanskritwort hamsa »Gans, Schwan«, was in der hinduistischen Symbolik das Selbst symbolisiert und auch für den Lebensatem, Prana, steht. So erklärt die Dhyanabindu Upanishad, die sich auch mit der heiligen Silbe Om beschäftigt: »Die Seele (jiva) tritt mit der Silbe ha aus und mit der Silbe sa ein. So wird gesagt, dass sie beständig das Mantra hamsa ausspricht.«[2]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. BKS Iyengar: Light on Yoga. HarperCollins, New Delhi 2003 (26. Aufl.). (p. 44)
  2. Dhyanabindu Upanishad 61.

Literatur

Wilfried Huchzermeyer: Das Yoga-Lexikon. edition sawitri, Karlsruhe, 2009. ISBN 978-3-931172-28-2

Maha Mritunyaya Mantra

Anonym

1. Maha Mrityunjaya Mantra (Sanskrit: महामृत्युञ्जयमन्त्र mahāmṛtyuñjayamantra und महामृत्युंजयमंत्र mahāmṛtyuṃjayamaṃtra m.) wörtl.: "das große (Maha) den Tod besiegende (Mrityunjaya) Mantra", großes glückverheißendes Mantra; das Om Tryambakam Mantra. Das Maha Mrityunjaya Mantra entstammt dem Rigveda (7.59.12). Das Maha Mrityunjaya Mantra ist Teil des Shri Rudram, eines der wichtigsten Texte der Veden. Andere Schreibweisen sind Mahamrityunjayamantra und Mahamrityunjaya Mantra.

Der dreiäugige Shiva

2. Mahamrityunjaya Mantra ist ein Dhyana Moksha Mantra. Hier findest du weiter unten Videos und mp3s zum Mahamrityunjaya Mantra. Einen umfangreichen Artikel mit dem vollen Text vom Mahamrityunjaya Mantra findest du auf mein.yoga-vidya.de in Yoga Vidya Kirtanheft Stichwort Mahamrityunjaya Mantra.

Maha Mrityunjaya Mantra महामृत्युञ्जयमन्त्र mahā-mṛtyuñ-jaya-mantra Aussprache

Hier kannst du hören, wie das Sanskritwort Maha Mrityunjaya Mantra, महामृत्युञ्जयमन्त्र, mahā-mṛtyuñ-jaya-mantra ausgesprochen wird:

Maha Mrityunjaya Mantra Devanagari und Umschrift

Devanagari Umschrift
ॐ त्र्यम्बकं यजामहे सुगन्धिं पुष्टिवर्धनम्‌ ।
उर्वारुकमिव बन्धनान्मृत्योर्मुक्षीय माऽमृतात्‌ ।
oṃ triyambakaṃ yajāmahe sugandhiṃ puṣṭivardhanam
urvārukam iva bandhanān mṛtyor mukṣīya māmṛtāt

OM Wir verehren Tryambaka (den dreiäugigen Gott Rudra/Shiva), den wohlriechenden, der sich um alle Wesen kümmert. Wie ein (reifer) Kürbis (Urvaruka) von seinem Stiel (abfällt), so möchte ich von Bindung (Bandhana) (an die Welt) frei werden, von der Sterblichkeit (Mrityor) zur Unsterblichkeit (Amrita) gelangen.

Hinweise zur Aussprache

In der Rezitation des Veda erfordert das Versmaß (Metrum, Chhandas) häufig eine vom regulären Sandhi abweichende Aussprache: so wird in der ersten Verszeile des Maha Mrityunjaya Mantras das Wort tryambakaṃ (Tryambaka) nicht dreisilbig (tryam-ba-kaṃ), sondern viersilbig (tri-yam-ba-kaṃ) ausgesprochen, damit das Versmaß (Anushtubh) von 4 x 8 Silben pro Pada erhalten bleibt:

triyambakaṃ yajāmahe sprich: tri-yam-ba-kaṃ ya-jā-ma-he

Die Aussprache *tra-yam-ba-kaṃ ist zwar selbst in Indien weitverbreitet, aber etymologisch unkorrekt, da sich das Wort aus tri (Tri) "drei" + ambaka (Ambaka) "Auge" zusammensetzt.

Das Wort urvārukam besteht aus vier Silben (ur-vā-ru-kam), wodurch sich im dritten Pada strenggenommen 9 statt 8 Silben ergeben: ur-vā-ru-ka-mi-va ban-dha-nān. Die tatsächliche Aussprache des u in der Silbe ru ist aber so kurz, dass es fast wie ein dreisilbiges ur-vār(u)-kam klingt.

Das Wort mukṣīya ("ich möge erlöst werden") im vierten Pada wird mit einem langen ī ausgesprochen und besteht somit aus drei Silben: muk-ṣī-ya, damit das Versmaß von 8 Silben pro Pada erhalten bleibt. Die weitverbreitete zweisilbige Aussprache *mukṣ-ya ist sowohl ungrammatisch (diese Form existiert nicht) als auch unmetrisch (sie verdirbt das Metrum).

Der vierte Pada wird daher metrisch korrekt wie folgt rezitiert: mṛ-tyor mu-kṣī-ya mā-mṛ-tāt

Bedeutung des Maha Mrityunjaya Mantras

Das Mahamrityunjaya Mantra hat vielfältige Bedeutung auf vielen Ebenen. Diese ergeben sich aus dem Klang, sowie aus der Übersetzung:

Wort-für-Wort-Übersetzung des Maha Mrityunjaya Mantras

  • Om - Kosmischer Klang
  • Tryambakam - dreiäugig, bzw. dreihaft: Bezieht sich auf Shiva; bezieht sich auf die Welt der Dualität und auf die Welt der Einheit; Tryambaka bedeutet: Shiva ist erfahrbar in der Welt der Dualität - und er führt uns in die Einheit; wir wollen uns zum Instrument machen des Göttlichen und in dieser Welt der Dualität wirken - Gott durch uns wirken lassen
  • Yajamahe - Wir verehren, wir meditieren über: Ehrerbietung ist eine gute Grundeinstellung im Leben: Wir wollen Gott in allem verehren: Gott manifestiert sich in der scheinbar dualistischen Welt - Gott ist überall gegenwärtig. Daher kann ein spiritueller Aspirant die Einstellung der Ehrerbietung als "Normalgefühl" den ganzen Tag kultivieren
  • Sugandhim: Su heißt "gut", "Gandha" heißt unter anderem "Geruch". Sugandhim heißt "wohlriechend". Geruch verteilt sich in der Atmosphäre: So ist Gott überall wahrnehmbar, und zwar ist Gott wahrnehmbar als das Gute hinter allem. Wir können Gott überall erfahren, spüren, uns von Gott erfüllen lassen
  • Pushtivardhanam: Der sich um alle Wesen kümmert, der den Wohlstand mehrt: Gott kümmert sich um alle Wesen. Wir können auf Gott vertrauen. Auch wenn wir manchmal nicht verstehen, warum etwas geschieht - so können wir doch darauf vertrauen, dass dahinter etwas Sinnvolles ist. Gott ist die Liebe - in der Liebe erfahren wir Gott. Wir können auch immer wieder Dank empfinden, dass Gott sich um uns kümmert
  • Urvaruka - reifer Kürbis: Mögen wir reifen. Mögen wir spirituell wachsen. Mögen wir uns spirituell entwickeln. Mögen wir Geduld haben
  • Bandhanan - Bindung, Gebundenheit: Zunächst gilt es zu erkennen: Ich bin gebunden. Ich bin verhaftet. Dann kommt der Wunsch: Mögen wir die Gebundenheit verlieren. Mögen wir Verhaftungen, Erwartungen, Vorurteile etc. verlieren
  • Mrityor - Sterblichkeit: Erkenne: Alles Irdische ist sterblich, der Vergänglichkeit unterworfen. Aller Besitz wird vergehen. Dein Körper wird sterben. Jeder Mensch wird (körperlich) sterben. Alles was einen Anfang hat, hat auch ein Ende.
  • Mukshiya - sich losbinden, sich befreien
  • Maamritat - Führe mich zur Unsterblichkeit (Amrita): In Wahrheit bist du unsterblich. Dein wahres Selbst, Atman, ist eins mit Brahman, der Weltenseele.

So steckt im Maha Mrityunjaya Mantra eine sehr tiefe Bedeutung. Alles Wichtige, worum es auf dem spirituellen Weg geht, ist im Mahamrityunjaya Mantra enthalten.

Die Bedeutung der vier Teilverse des Maha Mrityunjaya Mantras

Das Maha Mrityunjaya Mantra wird rezitiert für verschiedene Zwecke:

  1. Öffnen für eine Höhere Wirklichkeit
  2. Heilung von Krankheiten, Vorbeugung von Unfällen, Segen vor Reisen, insbesondere vor Autofahrten
  3. Loslassen und spirituelle Reifung: Man rezitiert das Mantra auch für Verstorbene, sodass der Verstorbene die irdischen Verhaftungen loslassen kann und sich öffnet für den Übergang in die Höheren Welten. Und mögen die Verwandten den Verstorbenen loslassen können - dankbar sein für das was ihnen geschenkt wurde und loslassen können, worüber sie traurig sind
  4. Erreichen der höchsten Befreiung - Bitte um Erleuchtung

Das Maha Mrityunjaya Mantra wird auch gerne am Geburtstag wiederholt. Dabei sind alle vier Zwecke mit eingeschlossen.

Die 4 Hauptwirkungen des Maha Mrityunjaya Mantras ergeben sich aus den 4 Teilversen:

  1. Om Tryambakam Yajamahe: Wir verehren den Dreiäugigen: Das steht dafür, dass wir uns öffnen wollen für eine höhere Wirklichkeit. Wir bitten darum, die Tiefen unseres Herzens zu spüren, bzw. selbst unser drittes Auge zu öffnen. Wir machen uns bewusst: Es gibt eine höhere Wirklichkeit. Wir wollen sie erfahren. Und wir verneigen uns in Demut: Wir erkennen an, dass es die höhere Wirklichkeit gibt - die wir allerdings noch nicht erfahren.
  2. Sugandhim Pushtivardanam: Der wohlriechend ist und sich um alle Wesen kümmert: Dieser Teilvers verkörpert besonders die Heilwirkung des Mantras
  3. Urvarukamiva Bandhanan: Befreiung von den Bindungen und Verhaftungen: Dieser Teilvers ist besonders für das Loslassen - dieser Teilvers ist besonders wichtig, wenn man das Mantra für Verstorbene und ihre Hinterbliebene rezitiert
  4. Mrityor Mukshiya Mamritat: Befreie und von der Sterblichkeit und führe uns zur Unsterblichkeit: Das ist die Bitte um die höchste Befreiung

Sukadev über das Maha Mrityunjaya Mantra

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über das Maha Mrityunjaya Mantra

Maha Mrityunjaya Mantra – das große, den Tod besiegende Mantra, oder anders ausgedrückt, das lebensspendende Mantra. Maha Mrityunjaya Mantra ist das Om Tryambakam: „Om Tryambakam Yajamahe Sugandhim Pushtivardhanam Urvaarukamiva Bandhanaan Mrityor Mukshiya Maamritat.“ Dieses Mantra gilt als Maha Mrityunjaya Mantra. "Maha" heißt großartig. "Mrityun" heißt Tod. "Jaya" heißt „Sieg über“. Maha Mrityunjaya Mantra, das todüberwindende Mantra, deshalb auch das lebensspendende Mantra.

Warum ist es ein todüberwindendes Mantra? Es ist ein Heilmantra. Das Om Tryambakam hat verschiedene Bedeutungen. Zunächst einmal heißt es, alles von einer spirituellen Warte aus zu sehen. Der erste Teil des Mantras ist: „Om Tryambakam Yajamahe. Ehrerbietung an Tryambaka.“ Das heißt, das dritte Auge, das heißt, du nimmst eine Warte ein jenseits der Dualität. Das ist schon etwas, wo du den Tod überwindest. Du überwindest den Tod, indem du in die höhere Dimension gehst, denn in einer höheren Dimension gibt es keinen Tod. Maha Mrityunjaya heißt also, eine höhere Dimension einzunehmen.

„Sugandhim Pushtivardhanam“, das heißt, „der Wohlwollen ausstrahlt und der sich um das Wohlergehen aller Wesen kümmert“. In dem Moment, wo du dich um das Wohlergehen anderer kümmerst, bist du lebendig. Wenn du dich nur noch um dich selbst kümmerst, dann bist du auf eine gewisse Weise schon tot. Leben heißt Liebe, Leben heißt, etwas Gutes zu bewirken, Leben heißt Austausch. In dem Moment, wo du dich um das Gute anderer kümmerst, dich um andere kümmerst, bist du lebendig, du spürst diese Lebendigkeit. Wenn du dich irgendwann mal nicht so richtig lebendig fühlst, kannst du überlegen: „Gibt es irgendetwas, wie ich andere Menschen berühren kann, was ich tun kann?“

„Urvaarukamiva Bandhanaan“, das heißt, „löse mich von allen Bindungen“. Das heißt, „lasse mich loslassen“. Wenn du an etwas festhängst, auch das ist eine Art Tod, denn das Leben geht weiter. Das Alte vergeht, das Neue kommt. Wenn du festhältst an etwas, dann bist du irgendwo in einer Art Nicht-Lebendigkeit. Daher, lasse los. Und das Loslassen kann auch heißen, dass du Verhaftungen loslässt. Es kann auch heißen, dass du bereit bist, das Alte loszulassen. Unsterblichkeit heißt auch, das Vergängliche loszulassen. „Mrityor Mukshiya Maamritat“, heißt dann eben, „und führe mich von der Sterblichkeit zur Unsterblichkeit“.

Unsterblichkeit heißt letztlich, Transzendieren alles Begrenzten, heißt, sich auszurichten auf das Göttliche. Unsterblichkeit heißt, zu erfahren, wer du wirklich bist. Du kannst das Mantra nutzen als Heilmantra. Du kannst das Mantra nutzen für dich selbst, du kannst es sprechen für andere, du kannst es sprechen, um loszulassen, du kannst es sprechen, um Segen zu bekommen für dein neues Lebensjahr, oder du kannst es sprechen, um anderen einen Segen zu geben für das neue Lebensjahr, und du kannst es auch sprechen, um jemandem den Übergang in eine höhere Ebene, z.B. nach dem physischen Tod, zu ermöglichen. Wenn du selbst stirbst, dann ist es klüger, dein persönliches Mantra zu sprechen. Für jemand anderes kannst du auch das Om Tryambakam Mantra wiederholen.

Verwendung des Maha Mrityunjaya Mantras

Maha Mrityunjaya Mantra bei Swami Sivananda

Swami Sivananda war einer der großen Yoga Meister, die das Maha Mrityunjaya Mantra populär gemacht haben. Er führte in seinem Ashram Folgendes ein:

  • In jedem Satsang wird das das Maha Mrityunjaya Mantra 3, 5 oder 9 Mal rezitiert
  • Im Satsang werden Bittbriefe von Menschen verlesen, die Heilung für Kranke erhoffen bzw. für einen Verstorbenen Mantra-Kraft schicken wollen. An diese Menschen wird dann besonders gedacht, während das Maha Mrityunjaya Mantra rezitiert wird
  • Wann immer Swami Sivananda von jemandem hörte, der erkrankt war, oder von einem Tod von jemandem erfuhr, rezitierte er das Mahra Mrityunjaya Mantra laut oder leise
  • Zu besonderen Gelegenheit ließ er eine Mahamrityunjaya Havan bzw. Mahamrityunjaya Homa zelebrieren. In einer Mahamrityunjaya Homa bzw. Yajna/Havan wird ein heiliges Feuer entzündet, Agni und andere Devatas (Engelswesen) angerufen. Dann werden Opfergaben, insbesondere Ghi bzw. Ghee zusammen mit dem Maha Mrityunjaya Mantra ins Feuer geopfert. Von einer solchen Mahamrityunjaya Havan geht große Heilwirkung aus
  • Vor jeder Autofahrt wiederholte Swami Sivananda das Maha Mrityunjaya Mantra
  • Zu Geburtstagen wiederholte Swami Sivananda das Maha Mrityunjaya Mantra für das Geburtstagskind, oft zusammen mit allen im Satsang, oder auch im Büro oder wann immer er von einem Geburtstag hörte

Seine Schüler folgten Swami Sivananda in dieser Verwendung des Maha Mrityunjaya Mantra, im Sivananda Ashram Rishikesh, in den Zweigstellen der Divine Life Society sowie auch in den Sivananda Yoga Vedanta Centers von Swami Vishnudevananda

Maha Mrityunyaya Mantra bei Yoga Vidya

Yoga Vidya steht in der Tradition von Swami Sivananda. So wird auch das Maha Mrityunjaya Mantra so verwendet, wie es Swami Sivananda gelehrt und gelebt wird:

  • In den Satsangs morgens und abends wird das Maha Mrityunjaya Mantra nach dem Vortrag/vor den Friedens-Mantras 3 Mal rezitiert. Satsangs gibt es in allen Yoga Vidya Ashrams morgens und abends, und in den meisten Stadtzentren jeden Morgen und mindestens 1 Mal pro Woche/Monat abends
  • Auf besonderen Wunsch wird das Om Tryambakam/Maha Mrityunjaya Mantra während des Satsangs rezitiert für einen bestimmten Menschen, z.B. für Heilung, für Segen für den Geburtstag oder auch für Verstorbene für einen guten Übergang von der irdischen Welt in die Höheren Welten bzw. für Trost und Kraft für die Hinterbliebenen
  • Viele die Geburtstag haben, rezitieren das Maha Mrityunjaya Mantra 108 Mal
  • Teil der 4-wöchigen Yogalehrer Ausbildung ist auch eine Maha Mrityunjaya Homa, also ein Feuer-Ritual: In der Maha Mrityunjaya Homa wird ein heiliges Feuer entzündet, Agni (die Wesenheit des Feuers) angerufen, verschiedene Aspekte Gottes und verschiedene Meister angerufen, und dann mit dem Maha Mrityunjaya Mantra Kokosnuss-Ghee ins Feuer gegeben. Dabei entsteht eine große Heil-Energie, welche die Heilenergie der werdenden Yogalehrer stärken soll
  • Im Shivalaya Retreatzentrum bei Yoga Vidya Bad Meinberg gibt es jeden Morgen um 9.30-10h ein 30-minütiges Rezitieren des Mahamrityunjaya Mantras für Heilung und Segen aller im Ashram Lebenden, aller Ashram Besucher, sowie aller, an die jeder der teilnimmt, denken will
  • Oft wird das Maha Mrityunjaya Mantra auch zu Anfang und/oder zum Ende von Yogastunden rezitiert, insbesondere wenn es sich um Yogatherapie handelt oder der Yogalehrer bekannt ist, dass Menschen sich Heilung in der Yogastunde erhoffen.

Maha Mrityunjaya Mantra Sadhana

Du kannst das Maha Mrityunjaya Mantra auf verschiedene Weise für dein Sadhana, deine spirituelle Praxis, verwenden:

Regelmäßige Rezitation morgens und abends

  • Rezitiere das Maha Mrityunjaya Mantra drei Mal jeden Morgen vor oder nach deiner Meditation. Schicke dabei Gedanken des Wohlwollens und des Friedens in alle Richtungen oder zu den Menschen, die du am Tag treffen wirst oder für die Menschen, die besonderer Heilung bedürfen
  • Rezitiere das Maha Mrityunjaya Mantra drei Mal jeden Abend vor dem Schlafen. Schicke dabei Gedanken des Wohlwollens und des Friedens für alle, mit denen du zu tun hattest, besonders für diejenigen, denen du Heilung schicken willst
  • Du kannst laut rezitieren, flüstern oder das Mantra auch in deiner Lieblingsmelodie singen. Das Mahamrityunjaya Mantra ist zwar eigentlich ein Veda Mantra. Und für Veda Mantras gibt es eine spezifische Melodie für die Rezitation. Aber auch die Inder selbst haben diverse Melodien entwickelt, mit denen das Om Tryambakam rezitiert wird

Spezielles Heil-Japa

Falls du jemanden kennst, dem du besonders Heilung schicken willst, wiederhole das Mantra 9 Mal, 27 Mal 54 Mal oder 108 Mal.


Du kannst auch eine Email schicken (informationen(@)yoga-vidya.de) mit der Bitte, dieses Mantra für einen speziellen Menschen zu rezitieren.

Maha Mrityunjaya Homa

Wenn du weißt, wie eine Homa, ein Havan geht, kannst du eine Maha Mrityunjaya Mantra Homa oder Havan zelebrieren. Wenn du z.B. die Gayatri Homa kennst, die bei Yoga Vidya Bad Meinberg jeden Morgen um 5h zelebriert wird, kannst du auch eine Maha Mrityunjaya Homa zelebrieren: Rezitiere einfach anstelle des Gayatri Mantras das Maha Mrityunjaya Mantra.

Rezitation vor Reisen

Du kannst das Om Tryambakam (Mahamrityunjaya Mantra) rezitieren vor jeder Reise, vor jeder Autofahrt, Fahrradfahrt, Flugreise etc. Du kannst es laut rezitieren oder auch geistig.

Geistige Rezitation für Heilung und Wohlwollen

Wann immer du am Tag mitbekommst, dass es jemand schlecht geht (körperlich, emotional, beruflich, materiell oder spirituell), kannst du geistig drei Mal das Maha Mrityunjaya Mantra rezitieren.

Meditation mit dem Maha Mrityunjaya Mantra

Das Om Tryambakam Mahamrityunjayamantra ist auch eine Moksha Mantra, ein Diksha Mantra und ein Dhyana Mantra:

Hier eine einfache Meditationsanleitung für Meditation mit dem Om Tryambakam

  • Sitze ruhig und gerade, kreuzbeinig, kniend oder auf einem Stuhl. Wirbelsäule, Hals und Kopf aufrecht und in einer geraden Linie
  • Atme ein paar Mal tief ein und aus
  • Schicke Gedanken des Wohlwollens aus: "Ich öffne mich für Licht und Liebe. Ich bitte um geistige Führung. Möge Frieden auf Erden sein. Möge es allen Wesen gut gehen. Mögen alle das Wirken des Höchsten erfahren. Mögen sich alle so verhalten, dass es für ihr eigenes Wohl und das Wohl aller Wesen geeignet ist"
  • Atme ruhig und gleichmäßig. Atme 3-4 Sekunden lang ein. Atme 3-4 Sekunden lang aus
  • Rezitierde das Maha Mrityunjaya Mantra geistig. Verbinde es dabei mit dem Atem. Es gibt mehrere Weisen, das Mantra mit dem Atem zu verbinden:
    • Am populärsten: Teile das Mantra in vier Teile:
      • Einatmen - Om Tryambakam Yajaamahe
      • Ausatmen - Sugandhim Pushtivardhanam
      • Einatmen - Urvaarukamiva Bandhanaan
      • Ausatmen - Mrityor Mukshiiya Maamritaat
    • Für diejenigen welche eine Einweihung haben und regelmäßig mit dem Mantra meditieren: teile das Mantra in 2 Teile
      • Einatmen - Om Tryambakam Yajaamahe Sugandhim Pushtivardhanam
      • Ausatmen - Urvaarukamiva Bandhanaan Mrityor Mukshiiya Maamritaat
    • Für diejenigen, die einen langen Atem haben: Wiederhole das vollständige Mantra beim Einatmen, wiederhole das vollständige Mantra beim Ausatmen
    • Du kannst auch den Atem nicht beachten und das Mantra einfach fließen lassen
  • Beim Einatmen stelle dir vor, Licht, Segen, Kraft fließen in dich hinein. Wenn du einen Bezug zu einem Meister, zu Shiva oder einem anderen konkreten Aspekt Gottes hast, stelle dir vor, der Meister bzw. Gott/Göttin schenken dir Licht, Segen, Kraft, Wohlwollen. Lass dich dabei innerlich im Herzen berühren

Beim Ausatmen stelle dir vor, Licht, Wohlwollen, Liebe strömt von dir in alle Richtungen bzw. zu den Menschen und Ereignissen, die in deinen Geist kommen

  • Schließlich lasse die Worte des Mantra weg fallen, genieße Ruhe, Stille, Verbundenheit, Gottes Nähe

Markandeya und das Mahamrityunjaya Mantra

Markandeya gilt als der Rishi hinter dem Maha Mrityunjaya Mantra. Jedes Mantra hat ja sechs Aspekte:

  • Rishi: Beim Maha Mrityunjaya Mantra ist das Markandeya Rishi
  • Bija: Essenz des Mantras: Om bzw. Moksha, Befreiung
  • Istha Devata: Der Aspekt Gottes, der mit dem Maha Mrityunjaya verbunden ist, ist Shiva bzw. Rudra
  • Matra - das Versmaß des Mantras
  • Kilaka - der Verschluss des Mantras: Dieser wird geöffnet durch Rezitation (Japa), durch Meditation und durch Yajna/Homa/Havan mit dem Maha Mrityunjaya Mantra
  • Shakti - die Kraft des Mantras: Die besondere Shakti dieses Mantras ist Heilenergie, Schutzkraft und die Kraft für gute Übergänge

Es gibt verschiedene Geschichten in den Puranas, wie das Maha Mrityunjaya Mantra in die Welt kam. Genaueres findest du unter dem Stichwort Markandeya, dem Rishi dieses Mantras.

Hier eine Kurzform dieser Geschichte, wie sie in der Markandeya Purana erzählt wird:

Markandeya war der Sohne zweier Rishis, nämlich Mrikandu und Marudvati. Den beiden wurde prophezeit, dass ihr Kind das 16. Lebensjahr nicht überleben würde. Markandeya war ein sehr spirituelles Kind. Als Jugendlicher liebte er Meditation, Pranayama und Japa. Einige Monate vor seinem prophezeiten Tod erzählten seine Eltern ihm über die Prophezeiung. Daraufhin übte Markandeya intensiv Tapas und Meditation. Er hatte Darshan (Vision) von Shiva. Dieser offenbarte ihm das Maha Mrityunjaya Mantra. Markandeya intensivierte sein Japa, dieses Mal mit dem Mahamrityunjaya Mantra und erreichte so, dass er dauerhauf Jiranjivi wurde, also jemand, der nicht älter als 16 Jahre alt wird.

Als Chandra, der Mond, einmal in Schwierigkeiten war, gab Markandeya dieses Mantra der Sati, Dakshas Tochter, weiter. Sati lehrte dem Mond dieses Mantra, der es dann wiederum weitergab. So wurde das Mantra von Shiva über Markandeya, Sati und dem Mond der Menschheit gegeben.

Shukracharya und Maha Mrityunjaya Mantra

Es gibt eine andere Geschichte, wie das Mahamrityunjaya Mantra in diese Welt kam. Diese wird erzählt in der Shiva Purana. Laut Shiva Purana übte Shukracharya bzw. Shukra intensives Tapas (spirituelle Praxis). Durch die Kraft seines Tapas erschien ihm Shiva. Shiva offenbarte Shukracharya das Maha Mrityunjaya Mantra. Shukracharya lehrte später das Mantra dem König Kshuva, der es dann weiter gab. Nach einer anderen Version wurde das Mantra dem Rishi Kahola enthüllt.

Erweitertes Mahamrityunjaya Mantra

Hier zwei Versionen des erweiterten Mahamrityunjaya Mantra:

  • Om Tryambakam Yajamahe - Sugandhim Pushtivardhanam - Urvaarukam Iva Bandhanan - Mrityor Mukshiya Maamritat - Om Haum Jum Sah


ॐ हौं जूं सः ॐ भूर्भुवः स्वः ॐ त्र्यम्बकं यजामहे सुगन्धिं पुष्टिवर्द्धनम्‌।
उर्वारुकमिव बन्धनान्मृत्योर्मुक्षीय मामृतात्‌ ॐ स्वः भुवः ॐ सः जूं हौं ॐ ॥

oṃ hauṃ jūṃ saḥ oṃ bhūrbhuvaḥ svaḥ oṃ tryambakaṃ yajāmahe sugandhiṃ puṣṭivarddhanam‌। urvārukamiva bandhanānmṛtyormukṣīya māmṛtāt‌ oṃ svaḥ bhuvaḥ oṃ saḥ jūṃ hauṃ oṃ ॥

om haum jum sah om bhurbhuvah svah om tryambakam yajamahe sugandhim pushtivarddhanam‌|
urvarukamiva bandhanannrityormukshiya manritat‌ om svah bhuvah om sah jum haum om ||

Maha Mrityunjaya Mantra Rezitation

Das Maha Mrityunjaya Mantra kann von jedem rezitiert werden. Klassisch ist es, das Mantra 3 Mal, 9 Mal, 27 Mal, 54 Mal oder 108 Mal zu rezitieren. Dabei kann man auch eine Japa Mala zu Hilfe nehmen. Man kann sich aber auch vornehmen, dieses Om Tryambakam eine bestimmte Anzahl von Minuten zu wiederholen - oder so oft wie man spürt, dass es gut ist.

Mahamrityunjaya Mantra Video

Du findest viele Video Rezitationen des Mahamrityunjaya Mantras zusammen mit vielen Erläuterungen auf der Yoga Vidya Community unter http://mein.yoga-vidya.de/profiles/blogs/maha-mrityunjaya-mantra-om

Mahamrityunjaya Mantra Download

Auf den Yoga Vidya Seiten findest du auch verschiedene Möglichkeiten für einen Download des Mahamrityunjaya Mantras:

Mahamrityunjaya Mantra ist ein Dhyana Moksha Mantra

Im Yoga Vidya Kirtanheft findest du das Mahamrityunjaya Mantra unter der Nummer 699u

Mahamrityunjaya Mantra Videos

Hier findest du ein oder mehrere Mahamrityunjaya Mantra Videos:

Video

Hier einige Videos zur Inspiration, zum Mitsingen, zum Genießen:

Lehrvideos mit Noten

Hier ein Lehrvideo, um Mahamrityunjaya Mantra zu singen, zu spielen, auf dem Harmonium oder einem anderen Musikinstrument zu begleiten:

Erläuterungsvideo zum Mahamrityunjaya Mantra

Hier ein Video mit Erläuterungen, Hintergrundinformationen und Übersetzungen zum Mahamrityunjaya Mantra:

Mahamrityunjaya Mantra Audio mp3s

Hier findest du einige Audio mp3 Dateien zum Mahamrityunjaya Mantra:

Audio mp3 Rezitationen dieses Mantras

Om Tryambakam Mantra - langsame Japa-Rezitation:

Om Tryambakam Mantra - genaue

Audio mp3 Erläuterungen

Hier findest du eine Kurzvortrag von Sukadev Bretz zum Mahamrityunjaya Mantra:

Siehe auch

Das waren einige Audios und Videos zum Mahamrityunjaya Mantra. Hier einige weitere Infos dazu sowie Links zu weiteren Mantras, Kirtans, Shlokas, Stotras und spirituellen Liedern:

Lieder und Mantras hier im Yoga Wiki

Yoga Vidya Kirtanheft

Weitere Links zu Mantras, Kirtans, spirituelle Lieder

/ Englischer Mantra Podcast]

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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Swami Saradananda, Kay Cantu

Vishnu

Quelle: https://www.indienaktuell.de/kultur/indiens-goetter-dashavatar-die-zehn-inkarnationen-von-vishnu-314171

Indiens Götter: Dashavatar – die zehn Inkarnationen von Vishnu

Vishnu ist der Beschützer und Bewahrer des Universums. In verschiedenen Yugas (die hinduistische Bezeichnung für Erdzeitalter) erschien Lord Vishnu in verschiedenen Gestalten immer in Situationen, in denen das Dharam – Recht und Sitte, Ethik und Moral – wegen böser Elemente in der Welt in Gefahr war. Zehn Inkarnationen von Lord Vishnu, die auch Avatare genannt werden, gibt es.

Die Geschichte des Avatars Matsya

Als Avatar Matsya kommt Vishnu als Fisch auf die Welt. Im frühesten der vier Zeitalter des Weltzyklus laut hinduistischer Philosophie, dem Satya Yuga oder vollkommenen, goldenen Zeitalter, tat ein König namens Manu Tausende Jahre lang schwere Buße. Eines Tages, als er eine rituelle Waschung am Fluss vornahm, schwamm ein kleiner Fisch in seine Hand und gerade als Manu ihn wieder in den Fluss zurückwerfen wollte, bat der Fisch ihn darum, sein Leben zu retten. Der Bitte folgend setzte der König den Fisch in ein Wassergefäß. Aber der Fisch wuchs und das Gefäß war bald zu klein. Der König warf den Fisch in den Fluss, aber auch für diesen wurde er bald zu groß und der König warf ihn in den Ganges und schließlich ins Meer. Da verstand der König, dass es sich bei dem Fisch um Lord Vishnu selbst handelte. Vishnu erschien ihm mit einer speziellen Bitte: Vishnu sagte voraus, dass die Welt in sieben Tagen von einer großen Flut zerstört werden würde und bat den König, ein großes Boot zu bauen und sieben weise Eremiten, Samen aller Pflanzen und ein Tier jeder Spezies an Bord zu nehmen. Vishnu selbst wollte als Fisch erscheinen, um das Boot zum Berg Himavan zu befördern, damit sie dort bis zum nächsten Zeitalter überleben könnten. Vishnu hielt Wort und erschien nach sieben Tagen als Fisch, den der König vor sein Boot band, indem er die Schlange Vasuki als Seil nutzte. Der Fisch brachte sie zum Berg Himavan, wo sie bis zum nächsten Zeitalter warteten.

Die Geschichte des Avatars Kurma

Kurma ist die Verkörperung Vishnus als Meeresschildkröte. In der langen Geschichte der Schlacht zwischen den Göttern und den Dämonen verloren die Götter eines Tages plötzlich all ihre Kraft, weil der leicht aufbrausende Weise Durvasa sie verflucht hatte. Der Weise hatte Indra eine Blumengirlande überreicht, die dieser achtlos seinen Elefanten vorwarf, die darauf herumtrampelten. Die Devtas (Halbgötter) baten Vishnu um Hilfe. Dieser riet ihnen, den Milchozean aufzuschäumen, nachdem sie Medizin hineingegeben hatten. Der Berg Mandara könnte als Schneebesen benutzt werden. Die Asuras (himmlische dämonische Wesen) sollten ihnen als Tausch gegen den Nektar der Unsterblichkeit, den das Schäumen hervorbringen würde, helfen, den Berg hochzuheben. Mit der Schlange Vasuki als Seil schafften es die Devatas und Asuras gemeinsam den Ozean aufzuschäumen. Listig hatte Indra, der König der Götter, die Asuras gebeten, das Kopfende der Schlange zu übernehmen. Die Dämonen vermuteten eine Hinterlist und übernahmen selbst den Kopf der Schlange. Doch das Gift Vasukis schwächte sie allmählich. Als während des Aufschäumens der Berg zu versinken drohte, nahm Lord Vishnu die Gestalt einer Meeresschildkröte an, setzte sich unter den Berg und hielt ihn so an der Wasseroberfläche. 1.000 Jahre sollen sie so gerührt haben. Als schließlich die Schale mit Amrita, dem Nektar der Unsterblichkeit, an der Oberfläche erschien, schnappten sich die Asuras diese sofort. Lord Vishnu nahm daraufhin die Gestalt einer Apsara, einer schönen, halb göttlichen, halb menschlichen Frau, an und verführte die Dämonen dazu, ihr zu erlauben, nicht nur den Nektar zu verteilen, sondern auch zu bestimmen, in welcher Reihenfolge er verteilt werden sollte. Die Devatas wurden als erste bedient, woraufhin die schöne Frau sofort verschwand. Die Asuras waren betrogen worden und vollkommen geschwächt.

Die Geschichte des Avatars Varaha

In dieser Geschichte erscheint Vishnu als Eber. Der Dämon Hiranyaksha hatte Lord Brahma so lange gehuldigt, bis er dessen Segen erhielt, dass weder ein wildes Tier noch Mensch noch ein Gott ihn jemals würde töten können. Aus irgendeinem Grund fehlte jedoch auf der Liste der wilden Tiere der Eber – und das sollte sein Verhängnis werden. Denn er begann brandschatzend durch die Welt zu ziehen. Er schob die Welt ins Patala loka (Unterwelt, eventuell auch Hölle) und drückte sie unter die Meeresoberfläche. Er stahl die heiligen Veden von Lord Brahma, während dieser schlief, und beging schreckliche Gräuel taten. Um die Veden zurückzuerhalten und die Welt zu retten, nahm Lord Vishnu die Gestalt eines Ebers an. Mit seinen beiden Hauern hob er die Erde aus dem Ozean heraus. Dann tötete er Hiranyaksha, nahm ihm die Veden wieder ab und brachte sie in die sichere Obhut von Lord Brahma.

Die Geschichte des Avatars Narasimha

Narasimha stellt Vishnu halb als Mensch, halb als Löwe dar. Hiranyakasyapa, der König der Dämonen, wollte unsterblich werden und für immer jung bleiben. Deshalb tat er zu Ehren von Lord Brahma schwer Buße. Die Götter bekamen es mit der Angst zu tun und baten Brahma, den König der Dämonen von seinem Wunsch abzubringen. Brahma war aber von der selbstauferlegten Entbehrung des Dämonenkönigs beeindruckt und gewährte ihm die Erfüllung eines Wunsches. Hiranyakasyapa wünschte sich, dass er niemals getötet werden könne, weder von Menschenhand noch durch ein Tier, weder bei Tageslicht noch bei Nacht, weder innerhalb noch außerhalb eines Gebäudes. Der Wunsch wurde ihm gewährt und fortan hielt er sich für den höchsten aller Götter. Er untersagte jegliche Huldigung anderer Götter. Sein eigener Sohn Prahlada aber war ein leidenschaftlicher Verehrer Vishnus. Hiranyakasyapa war deshalb außer sich. Mehrfach ordnete er an, Prahlada zu töten; unter anderem bat er seine Schwester Holika, der Feuer nichts anhaben konnte, sich mit Prahlada auf einen Scheiterhaufen zu setzen. Aber jedes Mal entkam Prahlada unverletzt. Wütend befahl Hiranyakasyapa seinem Sohn, ihm Lord Vishnu zu zeigen. Prahlada sagte: „Er ist überall.“ Das erzürnte den Vater nur noch mehr. Er schmiss eine Säule um und fragte, ob Vishnu wohl auch darin präsent sei. Da erschien Vishnu halb als Löwe, halb als Mensch aus der Säule, die nun weder im Haus, noch außer Haus war. Es war Abend, also weder Tag noch Nacht – und so tötete Vishnu Hiranyakasyapa und rettete so seinem Anhänger Prahlada das Leben.

Die Geschichte des Avatars Vamana

Dieses Mal kommt Vishnu als kleinwüchsiger Priester auf die Welt. Bali, der Enkel von Prahlada, war ein sehr tapferer und mächtiger Dämon, der die ganze Welt eroberte. Indra und einige andere Götter fürchteten, er könnte alle drei Welten erobern, und baten Vishnu daher um Hilfe. Lord Vishnu wurde daraufhin in Gestalt des Zwerges Vamana im Haus eines Brahmanen (eines Priesters) geboren. Während er aufwuchs, ging er zu Bali und bat um Almosen. Bali gab ihm gern alles, was er nur wollte, obwohl ihn seine Priester warnten, dass dies Lord Vishnu sei. Vamana bat um genau so viel Land, wie unter seine drei Füße passte. Höflich stimmte Bali zu. Da wuchs Vishnu und bedeckte die Erde und den Himmel mit zwei Schritten und weil nun kein Platz mehr zur Verfügung stand, setze er seinen dritten Fuß auf Bali selbst und drückte ihn in die Patala loka (die Unterwelt).

Die Geschichte des Avatars Parashurama

Parashurama ist Vishnus Verkörperung als Brahmane (Priester). In dieser Gestalt kam er auf die Welt, um sich an der Kaste der Kshatriyas (der Eroberer) zu rächen, die arrogant geworden waren und die Brahmanen unterdrückten. Als Kind von Jamadagni und Renuka, denen er geboren wurde, gehörte er zum Brighu Clan. Parashurama trug immer eine Axt bei sich, die ihm Lord Shiva gegeben hatte, den er auch glühend verehrte. Kartavirya, ein mächtiger König, kam eines Tages zu Jamadagni, während dieser außer Haus war, und nach einem Mahl stahl er die Kuh Kamadhenu, von der man sagte, sie gebe unendlich viel Milch und erfülle ihrem Besitzer jeden Wunsch. Wütend ging Jamadagni zum König, tötete ihn und brachte Kamadhenu zurück. Als der Sohn des Königs davon erfuhr, eilte er zu Jamadagni und tötet ihn. Darüber war wiederum Parashurama so erzürnt, dass er den Tod seines Vaters rächte, indem er alle Kshatriyas in 21 Schlachten tötete.

Die Geschichte des Avatars Rama

Rama ist die zentrale Figur im Epos Ramayana. Er verkörpert den idealen Charakter: den idealen Sohn, idealen Ehemann, idealen König und die ideale Person. Er war auf die Erde geschickt worden, um den Dämonen Ravana mit den zehn Köpfen loszuwerden, denn dieser hatte von Brahma Immunität gegenüber Göttern und anderen himmlischen Wesen erhalten. Ravana war zu anmaßend, um sich vorstellen zu können, dass ihn ein Mensch besiegen könnte. So wurde Rama geboren und seine Frau Sita, eine Verkörperung von Lakshmi, Lord Vishnus Gemahlin. Das Ramayana ist eine lange, aufregende Geschichte über den Krieg, den Rama gegen verschiedene böse Elemente in der Welt führte – am Ende kämpfte er gegen Ravana. Das Ramayana versinnbildlicht den Inbegriff idealen Verhaltens, mit einem speziellen Fokus auf die Frau-Mann-Beziehung, die Vater-SohnBeziehung und die Regeln für eine ideale Regierungsführung durch einen König.

Die Geschichte des Avatars Krishna

Krishna ist die zentrale Figur des Epos Mahabharata. In diesem größten epischen Werk der indischen Mythologie werden unzählige Themen abgedeckt; dazu gehören Krieg, Liebe, Bruderschaft, Politik u. v. m. Im Grunde ist es die Geschichte von zwei rivalisierenden blutsverwandten Familien, den Pandavas und den Kauravas. Ein Teil des Mahabharatas ist ein langer Vortrag, den Krishna während des Krieges der beiden Familien seinem Schüler Arjuna hält. Dieser Teil ist unter dem Namen Bhagvadgita bekannt. Während seiner Kindheit war Krishna verantwortlich für die Ermordung von König Kamsa, der sein Onkel war. Krishna soll auch ein ziemlicher Frauenheld gewesen sein. Anders als im Ramayana geht es im Mahabharata um bodenständigere Themen wie Politik, die menschliche Natur und Schwäche und die Charaktere werden nicht idealisiert wie im Ramayana.

Die Geschichte des Avatars Buddha

Auch dies ist eine Inkarnation Vishnus: Buddha, der asketische Prinz, der auf den Thron verzichtet, um die Welt auf den Weg des Friedens zu führen. In dieser Gestalt wird er zum Gründer des Buddhismus. Manche hinduistische Richtungen halten ihn für die göttliche Inkarnation von Lord Vishnu. Geboren wurde er als Kronprinz von Kapilavastu, einem alten Königreich, als Sohn von Suddhodana und Maya. Er wurde vom König Siddhartha genannt, was so viel bedeutet wie „alle Dinge erfüllend“. Seine Mutter starb schon bald nach der Geburt, aber ihre Schwester Prajapati zog Siddhartha groß. Seit seiner Kindheit machte der Tod lebender Kreaturen Buddha sehr traurig und er fragte oft: „Ach! Töten sich alle Keaturen gegenseitig?“ Da er mit keiner der Antworten, die ihm gegeben wurden, zufrieden war, entschloss er sich, die absolute Wahrheit zu suchen. Er verließ seine Frau und sein Kind, ging als Eremit in den Wald und wurde schließlich eines Tages erleuchtet. Seine Predigten sind die Grundlage des Buddhismus.

Die Geschichte des Avatars Kalki

Kalki ist der Maschinenmann, der auf seinem weißen Pferd mit seinem flammenden Schwert dahergeritten kommen wird, denn er ist noch nicht erschienen. Er ist ein zukünftiger Avatar von Vishnu. Am Ende der Kali Yuga (dem augenblicklich laufenden Zeitalter) wird er alle Missetäter dieser Welt bestrafen, die Welt zerstören und das goldene erste Zeitalter, das Satya Yuga, wiedererschaffen. Kalki ist der letzte Avatar Lord Vishnus.

 

Shiva

Neuzeitliche Shiva-Statue in einem Tempel in Bengaluru (2005): Zwei der Hände sind im Meditationsgestus (dhyanamudra) im Schoß der Figur ineinandergelegt; die beiden anderen tragen Dreizack (trishula) und Sanduhrtrommel (damaru). Um die Hüften ist ein Fellschurz gewunden; der Gott sitzt auf einem Raubkatzenfell. Um seinen Hals und seine Oberarme winden sich Schlangen; die geflochtenen Strähnen seines langen Asketenhaares sind zu einer ‚Haarkrone‘ aufgebunden, aus der seitlich eine Mondsichel (chandra) und oben die Göttin Ganga herausragt.[1]

Shiva (Sanskrit शिव Śiva [ɕɪʋʌ]; „Glückverheißender“) ist einer der Hauptgötter des Hinduismus. Im Shivaismus gilt er den Gläubigen als die wichtigste Manifestation des Höchsten. Als Bestandteil der „hinduistischen Trinität“ (Trimurti) mit den drei Aspekten des Göttlichen, also mit Brahma, der als Schöpfer gilt, und Vishnu, dem Bewahrer, verkörpert Shiva das Prinzip der Zerstörung. Außerhalb dieser Trinität verkörpert er Schöpfung und Neubeginn ebenso wie Erhaltung und Zerstörung.

Die weibliche Kraft Shivas ist Shakti, die unter anderem als seine Gattin Parvati erscheint.

Shiva ist unter vielen verschiedenen Namen bekannt; im Shiva-Purana sind 1008 Namen angeführt, die sich jeweils auf ein Attribut von Shiva beziehen. Häufige Beinamen – teils auch im Stotra überliefert – sind Mahadeva („großer Gott“), Nataraja („König des Tanzes“), Bhairava („der Schreckliche“), Mahesha („höchster Herr“), Nilakantha („der mit dem blauen Hals“, bezogen unter anderem auf den Mythos vom Milchozean), Pashupati („Herr aller Wesen“), Rudra („der Wilde“), Shankara („der segensreich Wirkende“), Vishwanatha („Herr des Alls“) oder Somanatha („Herr des Mondes“).

Bedeutung und Legende

Monumentale Shiva-Büste in Coimbatore (2019)

Einige Puranas bezeichnen Shiva als höchste Manifestation des Einen, weswegen er auch Mahadeva, „der große Gott“, genannt wird. Shiva gilt auch als Gott der Asketen, der auf seinem Berg Kailash in tiefste Meditation versunken verharrt. Er ist der Gott der Gegensätze: Bildet er einerseits mit Parvati und Ganesha die „Heilige Familie“ (Somaskanda), erscheint er andererseits als großer Asket und Einzelgänger. Verkörpert er einerseits die Zerstörung, sehen Gläubige in ihm gleichzeitig den allgegenwärtigen Gnädigen, der das schlechte Karma seiner Verehrer tilgt.

Shiva gilt als Vater von Ganesha, und verschiedene Puranas berichten in unterschiedlichen Versionen über dessen Ursprung. Nach einer Legende wurde Ganesha von Shivas Gattin Parvati während dessen Abwesenheit modelliert und zum Leben erweckt, damit sie eine eigene Wache habe, während sie badete. Ganesha, wie er später genannt wurde, verwehrte Shiva den Eintritt, und dieser schlug ihm im Zorn den Kopf ab. Aus Reue über die Tat erweckte er ihn wieder zum Leben, indem er einen Elefanten töten ließ und dem Knaben dessen Haupt aufsetzte.

Shivas Gattin war jedoch nicht immer Parvati. Es heißt, in erster Ehe sei Shiva mit Sati verheiratet gewesen. Durch seinen ungewöhnlichen Lebensstil als Asket geriet er jedoch in Konflikt mit Satis Vater Daksha, sodass das Ehepaar zu einem Opferfest nicht eingeladen wurde. Sati war in ihrem Stolz als Ehefrau so gekränkt, dass sie sich bei lebendigem Leib verbrannte, um die Ehre ihres Mannes wiederherzustellen. Danach wurde sie von der Erde verschlungen und unter dem Namen Parvati wiedergeboren. Shiva hatte sich unterdessen in der Amarnath Guva (in Indien), die keiner betreten konnte, in eine ewige Meditation versenkt. Als aber Parvati vor der Höhle stand, kam sie herein und sah Shiva. Sie weinte vor ihm und er erwachte aus seiner Tapasya (Meditation), da der Liebesgott Kamadeva ihn mit einem Liebespfeil erwecken wollte. Shiva machte sein drittes Auge auf und vernichtete Kamadeva. Er weigerte sich Parvati zu erkennen, aber er wusste, dass seine Sati vor ihm wiedergeboren stand. Parvati weinte und entschloss sich, in Meditation zu versinken, um Shiva zu gewinnen. Sie erstellte einen Shivalinga aus Eis und setzte sich vor ihn und fing an für ein Jahr zu meditieren. Nach einem Jahr war sie zerbrechlich geworden und hatte keine Kraft mehr. Shiva kam in die Höhle und sah sie. Er gab ihrem Körper wieder Leben hinzu und sie wachte auf. Sie hatte Shiva wiedergewonnen und war kein Mensch mehr, sondern die Gemahlin von Shiva für den Rest ihres Lebens und somit auch ein Gott. Heute noch wird Parvati (Sati) sehr von Mädchen angebetet, weil sie eine sehr starke Frau war und eine Nachricht an Mädchen hinterließ, die besagt, dass man Mädchen niemals als schwach bezeichnen oder sehen sollte und dass Mädchen ihre Ehre schützen sollen.

Historische Belege

Shiva mit Muttergottheit, 9. Jh. n. Chr., Nordindien, Archäologisches Museum Mailand

Durch Inschriften und Münzfunde gesichert ist die Verehrung Shivas erst seit den Kuschana (100–250 n. Chr.). Verbreitet ist der Shiva-Kult in Nordindien erst bei den Guptas (ca. 300 bis 550 n. Chr.), in Südindien erst ab dem 7. Jahrhundert.[2] Vor allem in Südostasien war die Gottheit Harihara um die Mitte des 1. Jahrtausends verbreitet, die die Aspekte Shivas und Vishnus vereinigt.

Die Hypothese von führenden Wissenschaftlern der Indus-Kultur wie Asko Parpola und Iravatham Mahadevan, dass Shiva ein Gott jener Hochkultur, respektive ein Gott der Draviden war, fand durch einen Harappa-Fund, das Pashupati-Siegel, große Unterstützung.[3][4] Darauf sieht man eine Figur mit drei oder vier Gesichtern in jede Himmelsrichtung gerichtet neben Tieren im Lotossitz sitzen. Sie scheint eine Art Kopfschmuck zu tragen. Daher kamen einige zu dem Schluss, es handle sich um Shiva in seinem Pashupati-Aspekt. Des Weiteren fand man an den Fundorten der Indus-Kultur Lingams, die eine sehr alte Verehrung, wie sie auch heute stattfindet, bezeugen. Die Theorie, dass Shiva ein nichtvedischer Gott sei, wird unter anderem mit einer Geschichte aus den Puranas erklärt, in der Shiva Vedabahya („außerhalb der Veden“, „Ungläubiger“) genannt wird. Tatsächlich erscheint der Name Shiva nicht in den Veden.

Für Gläubige in hinduistischen Traditionen ist Shiva oft mit Rudra identisch, der erstmals in der Svetasvatara Upanishad Shiva genannt wurde.[5] Dagegen ist die Frage der Identität des vedischen Rudra mit Shiva aus wissenschaftlicher Sicht umstritten.

Darstellung

Zusammen mit Shiva werden oft der Stier Nandi als sein Reittier, seine Frau Parvati sowie seine Söhne Skanda (Kartikeya/Murugan) und Ganesha abgebildet. Vor allem in Südindien findet sich die Darstellung Shivas mit Parvati und Skanda (Somaskanda). In älteren Darstellungen sind in seiner Begleitung häufiger einige Ganas zu sehen.

Lingam

Linga-Puja in einem Tempel

Die Verehrung Shivas in Form des Lingam oder Linga, eines zylindrischen, oben gerundeten Steins, ist möglicherweise auf den Einfluss vorarischer anikonischer Steinkulte zurückzuführen. Die Schöpferkraft des Gottes wird hier durch den Lingam (oft als stilisierter Phallus interpretiert) dargestellt, der in einer Yoni (oft als stilisierte Vagina interpretiert) steht. An Festtagen übergießen Gläubige in einer feierlichen Zeremonie den Linga zunächst mit einer Mischung aus Milch und Honig (symbolisch für Amrita, den Trank der Unsterblichkeit) und dekorieren ihn anschließend mit Blumen. Der Höhepunkt der Zeremonie versinnbildlicht die „Unio mystica“, die Vereinigung zwischen dem Göttlichen und dem Weltlichen, zwischen Atman und Brahman, oder im tantrischen Shivaismus die Vereinigung von Linga und Yoni. Die meisten Hindus jedoch verehren einen Linga nicht im Bewusstsein, einen Phallus vor sich zu haben. Das Wort Linga bedeutet „Zeichen“, ein Zeichen, in dem alle Formen sich auflösen. Shivaitische Schriften betonen immer wieder die Formlosigkeit des Göttlichen. Daher wird Shiva von seinen Gläubigen selten in personhafter, sondern hauptsächlich in symbolischer Form, dem Linga oder dem Dreizack (trishula), verehrt.

Unterschiedlichen Überlieferungen zufolge gibt es in Indien etwa sieben bis zwölf wichtige Naturheiligtümer (Jyotirlingas), in denen jeweils ein von der Natur geformter Lingam steht, wie etwa in der Amarnath-Höhle im Himalaya, wo sich in bestimmten Zyklen eine Eissäule bildet und wieder schwindet. Diese Plätze sind wichtige Wallfahrtszentren.

Shiva als Nataraja, tanzend auf dem Apasmara (Chola-Bronze, um 1050)

Nataraja

Vor allem im Süden Indiens wird Shiva als Nataraja („König des Tanzes“) im kosmischen Tanz dargestellt, tanzend auf Apasmara, dem „Dämon der Unwissenheit“. Im Tanz zerstört Shiva die Unwissenheit und darüber hinaus das ganze Universum, das er jedoch gleichzeitig wieder neu erschafft. Hier drücken meist vier oder acht, gelegentlich auch mehr Arme seine kosmischen Kräfte aus. Eine Hand deutet die Schutz gewährende Handstellung (abhayamudra) an, die andere die Gnade gewährende, während seine anderen beiden Hände die kleine Trommel und ein Feuer tragen. Da es keine einheitliche hinduistische Ikonographie gibt, kann die Interpretation dieser Darstellung sehr unterschiedlich sein. Das Feuer ist meist ein Hinweis auf Vernichtung, kann aber auch als Ausdruck der Energie Shivas verstanden werden. Ananda Coomaraswamy fasst die Symbolik des Nataraja in einem Essay zusammen: “The essential significance of Shivas Dance is threefold: First, it is the image of his rhythmic play as the source of all movement within the cosmos, which is represented by the arch: Secondly, the purpose of his dance is to release the countless souls of men from the snare of illusion: Thirdly the place of the Dance, Chidambaram, the Centre of the Universe, is within the heart.[6]

Malerei

Die neuzeitliche hinduistische Malerei stellt Shiva meist mit weißer oder aschegrauer Haut dar – oft mit blauem Hals als Nilakanta, dann ist er der Retter, der das Gift des Urmeeres getrunken und dadurch das Universum gerettet hat. Auf seiner Stirn befinden sich das dritte Auge und drei waagerechte Aschestriche. Oft schlingt sich eine Schlange um seinen Hals, aus dem langen und offenen Haar ragt eine Mondsichel. Gelegentlich sieht man Wasser aus seinem Haar fließen, welches die Göttin Ganga, die Verkörperung des Gangesflusses darstellt, die nach der Mythologie vom Himmel sprang, von Shivas Haar aufgefangen wurde und dadurch sanft auf die Erde rann. Die meisten Darstellungen zeigen Shiva mit seinem Dreizack (trishula) und der Sanduhrtrommel (damaru) in der rechten Hand.

Statuen

Die 2022 errichtete Statue of Belief in Nathdwara im indischen Bundesstaat Rajasthan ist mit einer Höhe von 112,5 Metern die höchste Shiva-Statue weltweit.

Theologie und Kult

Shiva und seine Gemahlin Parvati, kleine Marmorstatue
Zeitgenössische Darstellung von Shiva in meditierender Pose

Tantrische Interpretation

Shivas Wirken wird tantrisch auch durch die sogenannten fünf Handlungen Shivas, die Panchakritya, beschrieben.

  1. Sṛṣṭi: Emission oder Weiterfließen.
  2. Sthiti: Erhaltung.
  3. Saṃhāra: Auflösung oder Rückabsorption.
  4. Tirodhana: Verschleierung, Vergessen.
  5. Anugraha: Enthüllung, Erinnerung.[7]

Feiertag

Der wichtigste Feiertag zu Ehren Shivas in Indien ist Shivaratri, die „Nacht Shivas“ (auch Mahashivaratri genannt), bei dem die Verehrung des Lingam im Mittelpunkt steht.

Rezeption in Europa

In der westlichen Interpretation wurde Shiva oft nur die Rolle des Weltzerstörers zugeschrieben und er wurde einseitig als Gott der Asketen und Sadhus interpretiert. Seine Rolle besteht jedoch sowohl im Erhalt als auch in der Zerstörung der Welt. Wenn Shivas Tanz aufhört, so sagen überzeugte Shivaiten, dann geht die Welt unter, aber Shivas Tanz wird nie aufhören, also wird die Welt nie untergehen. Daher ist Shiva, insbesondere in seiner Form als Nataraja, der Inbegriff und die Repräsentation des zyklischen Zeitverständnisses gläubiger Hindus.

In der Neotantra-Szene wird Shiva synonym zu Mann gebraucht. Shiva wurde zunächst zum „Lieblingsgott“ der Hippies, die in den späten 1960er Jahren nach Indien reisten. Viele fühlten sich vielleicht davon angezogen, dass eines der Kräuter, die Shiva zugeordnet werden, Ganja ist (Hanf, Marihuana).[8]

Siehe auch

Literatur

Commons: Shiva – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Schiwa – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Anneliese und Peter Keilhauer: Bildsprache des Hinduismus. Die indische Götterwelt und ihre Symbolik. DuMont, Köln 1983, S. 112 ff. ISBN 3-7701-1347-0.
  2. Axel Michaels: Der Hinduismus. München, 2006, S. 240.
  3. Asko Parpola
  4. Iravatham Mahadevan
  5. Axel Michaels: Hinduism: Past and Present. Princeton University Press, Princeton (New Jersey) 2004, S. 217.
  6. Ananda Coomaraswamy: The Dance of Shiva. (online)
  7. Panchakritya
  8. Vgl. Wolf-Dieter Storl: Bom Shiva – Der ekstatische Gott des Ganjas. Nachtschatten Verlag, Solothurn 2003, ISBN 3-03788-114-3.

Shakti

Shakti als Durga, die den Büffeldämon, Verkörperung des Übels, besiegt

Shakti (Sanskrit शक्ति Śakti [ˈʃʌktɪ], wörtl. „Kraft“, „Energie“), auch Schakti[1], steht im Hinduismus für die weibliche Urkraft des Universums – sie stellt eine aktive Energie dar. Die unzähligen indischen Göttinnen werden als Form von Shakti angesehen.

Oft wird der weibliche Gegenpart eines männlichen Gottes als dessen Shakti angesehen. Die hinduistische Trimurti – die Dreiheit von Brahma, Vishnu und Shiva – hat folgende Göttinnen als weibliche Seite oder auch Gattin:

  • Für Brahma, den Schöpfer/Vergeber, ist es Sarasvati. Sarasvati ist die Göttin der Kunst und Wissenschaft.
  • Für Vishnu, den Erhalter/Verwandler, ist es Lakshmi. Lakshmi tritt als Göttin des Glücks, des Reichtums und der Schönheit auf.
  • Für Shiva, den Zerstörer/Erlöser, ist es Parvati. Parvati kann als sanfte Gattin Uma oder als Kriegerin Durga auftreten.[2]

Nimmt das Unheil im Universum zu, so verbinden sich laut Tradition Sarasvati, Lakshmi und Parvati zu Kali, der dunklen Seite Shaktis, die alles auf ihrem Weg zerstört.

Im Shaktismus kommt der Shakti eine zentrale Rolle als beherrschende Gottheit zu. In einigen Richtungen des Shaktismus gilt Shakti als kinetischer Aspekt des Brahman, des einzig wahrhaft Seienden, der die manifestierte Welt und alle ihre Erscheinungen hervorbringt, selbst ist und beherrscht. In dieser Form wird Shakti zumeist als Mahadevi angesehen.

Im westlichen Neotantra wird der Begriff Shakti meist als Synonym für Frau gebraucht.

Das Nominalkompositum Shivashakti der göttliche Vater und die göttliche Mutter symbolisieren Bewusstsein und Kraft in einer Einheit. Shakti und Shiva gelten im Tantra sowie in den vielfältigen Richtungen des Shaktismus und Shivaismus als die beiden Pole des Universums.

Ursprung und Geschichte

Einige Forscher vermuten, dass Shakti ihren Ursprung bereits in der Indus-Kultur haben könnte, da dort viele weibliche Figurinen gefunden wurden, die Göttinnen darstellen könnten. Jedoch enthält das hinduistische Konzept von Shakti noch andere wesentliche Einflüsse.

In den Veden spielen die Göttinnen zwar keine tragende Rolle, jedoch werden hier bereits wichtige Aspekte von Göttinnen personifiziert. Vak ist z. B. die Göttin der Rede, Aditi die Mutter der Götter, Prithivi die Mutter Erde und Uṣas, die Göttin der Morgenröte, wird in vielen Hymnen verehrt. Ebenso erscheinen weibliche Seiten der vedischen Götter, Indrani z. B. wird als Indras Macht und Kraft angesehen.

In der Nach-Vedischen-Periode wurden dann nicht-vedische Göttinnen durch die Sanskritisierung allgemein verbreitet und akzeptiert. Durga, Kali und andere Göttinnen wurden deshalb in neuen Religionsformen besonders wichtig.

In der klassischen Periode des Hinduismus erschienen dann in den Puranas die Göttinnen als Gemahlinnen der männlichen Götter, jedoch repräsentieren sie dort auch die Macht und Energie des männlichen Gottes. Die Göttinnen wurden in der klassischen Periode mit drei Kräften gleichgesetzt: Shakti (Energie), Prakriti (ursprünglicher Stoff) und Maya (Illusion).

In der späteren Shakti-Theologie haben zwei Texte eine besonders wichtige Bedeutung. Das Devi Mahatmya und das Devi Bhagavatam Purana. Beide Texte veränderten die Bedeutung Shaktis im Hinduismus. Im Devi Mahatmya ist die Göttin die höchste Realität und verkörpert alle positiven und negativen Aspekte von Macht und Energie. Sie wird als kreativ, erhaltend und zerstörend angesehen. Die männlichen Götter, die Trimurti, werden in diesem Text zwar weiterhin als Gottheiten der Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung angesehen, jedoch wird Mahadevi als die Kraft angesehen, die den Kräften der männlichen Götter zugrunde liegt, d. h., ihre Macht und Bedeutung geht über diese hinaus.

Im Devi Bhagavatam Purana wird Shakti als von den männlichen Göttern völlig unabhängig beschrieben, darüber hinausgehend sind alle Götter vollkommen abhängig von Shaktis Willen, Kraft und Macht. Shakti selbst wird als Nirguna, als jeglicher Form und Erscheinung jenseitig beschrieben und trotzdem als Sarasvati, Lakshmi und Kali den drei Gunas gleichgesetzt. Die Göttin erscheint als Brahman selbst, als Urgrund allen Daseins und ewigwährend. Die einzelnen Göttinnen des Hinduismus erscheinen im Devi Bhagavatam Purana alle als Aspekte und Erscheinungen von Shakti selbst. Auch Purusha und Prakriti werden beide als Shakti, bzw. Mahadevi, angesehen.

Im Allgemeinen erscheinen die Göttinnen, die Shakti personifizieren, nicht nur als gütig und wohltuend, sondern sie haben auch bösartige, zerstörerische Seiten. So gelten z. B. die Mahavidyas als schreckliche und zornige Göttinnen und auch Kali und Durga besitzen solche Aspekte. Gleichfalls erscheinen Göttinnen nicht nur in ihrer brahmanistischen Form, auch in der indischen Volksreligion sind diese zahlreich vertreten und mit dem Shakti-Konzept verbunden.

Relief mit den Devi Matrikas, flankiert von Shiva (links außen) und dritte von rechts Varahi sowie Ganesha (rechts außen), sie repräsentieren allesamt die verschiedenen „Shakti Aspekte“, aus dem 9. Jahrhundert Madhya Pradesh

Literatur

  • David R. Kinsley: Die indischen Göttinnen. Weibliche Gottheiten im Hinduismus („Hindu Goddesses“, 1986). Insel-Verlag, Frankfurt/M. 2000, ISBN 3-458-34316-4.
  • Denise Cush, Catherine Robinson, Michael York (Hrsg.): Encyclopedia of Hinduism. Routledge, London 2008, ISBN 978-0-7007-1267-0.

Einzelnachweise

  1. Duden | Schakti | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. Abgerufen am 9. April 2020.
  2. John Dowson: A Classical Dictionary of Hindu Mythology and Religion – Geography, History and Religion. Rupa Publications, New Delhi, India 2009, ISBN 978-0-00100-015-5